Dorfleben Lao-Style

Tad Lo ist unsere Heimat für die nächsten 3 Monate: Zwei Wasserfälle, zwei Straßen, ein Tempel, einige Gästehäuser, ein paar hundert Einwohner,…  und das alles weit entfernt von einer größeren Stadt inmitten in Laos‘ Süden. Wird uns da nicht langweilig? Diese Frage haben wir uns zu Beginn kurzzeitig gestellt – inzwischen können wir aber schon sagen, dass sich das laotische Landleben mehr als abwechslungsreich zeigt und hier alles irgendwie anders läuft.  Ein bisschen gemütlicher. Herzlich. Ein bisschen anders. Aber gut.

Nach den ersten Wochen in Tad Lo können wir bisher noch keine Langeweile feststellen. Unsere Arbeit im Projekt öffnet uns im Dorf immer mehr Türen. Als „Agaan“ (Lehrer) geniessen wir recht schnell einen Ruf in der Dorfgemeinschaft und auch das Vertrauen unserer Schüler. Trotz relativ grosser Sprachbarriere und oftmals auch Schüchternheit der Kinder, gibt es immer wieder nette Begegnungen und Ereignisse. Ob nun eine Einladung auf ein Beer Lao unterwegs zum Einkauf oder auch ein Klopfen an unserer Tür: „Agaan, swimming?“ Na klar wollen wir schwimmen – und wenige Minuten später hüpfen wir gemeinsam in den Fluss. Vollständig bekleidet natürlich – denn über weissbäuchige „Falangs“ in Badehosen und Bikinis machen sich unsere laotischen Freunde insgeheim gerne ein bisschen lustig. Zuviel Haut zeigen ist ein absolutes No-Go in Laos, was leider viele Touristen nicht ganz so ernst nehmen.

„Falang“ wird in Laos gerne als Synonym zu Fremder/Ausländer verwendet, wobei die eigentliche Bedeutung Europäer wäre. Es gibt allerdings auch „schwarze“ Falangs, das wären dann Ausländer afrikanischer Abstammung. Wir wissen noch nicht so recht, wie wir mit dieser Bezeichnung umgehen sollen.  Egal ob Reisender, Lehrer oder Party-Tourist – am Ende sind wir eben alle Falangs.

Zumindest fühlt es sich nicht so gut an, mit diesem Wort zu unendlich vielen anderen Menschen in einen Topf gesteckt zu werden, aber böse ist es wahrscheinlich nicht gemeint. Ein Falang zu sein hat nämlich auch seine Vorteile. Vor allem wenn es um Unterrichten geht: Denn 3 Monate Computerunterricht von einem Falang bekommen zu haben, scheint auch für Qualität zu sprechen – so ist es einer der Gründe, warum wir so viele interessierte Schüler haben, verrät unser Projektpartner Soulideth.

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Der Unterricht mit den Kindern und Jugendlichen wird mit fortschreitender Zeit intensiver. Lustige Samstagsprojekte haben uns langsam aber sicher mit unseren Schülern zusammengeschweißt. Das macht für uns nicht nur das Unterrichten leichter, es spornt uns auch weiterhin an, den Computerunterricht so spannend und attraktiv wie möglich zu gestalten. In einem sagen wir einmal „sehr variablen“ Umfeld gar nicht so einfach. Vieles hat man während einer Unterrichtsstunde leider nicht selbst in der Hand. Nicht selten fallen zwischendurch der ein oder andere Computer aus, bzw. geben interessante Nebengeräusche von sich. Stabile Netzwerkverbindungen waren lange Zeit auch eher Glückssache. Oder wenn man aber denkt, dass ausnahmsweise alles läuft, dann verbringen wir gemeinsam einige Minuten damit, die fuer heute wichtigen Sonderzeichen auf Tastaturen zu suchen, die allerdings mit laotischen Schriftzeichen überklebt sind… Da muss man mit einem Lächeln versuchen den Unterricht weiterzuführen, irgendwie improvisieren und nebenher Probleme lösen, die absolut unvorhersehbar aufgetreten sind. An so einem Tag sind 2 Stunden Unterricht dann auch mal anstrengend.

Die Abwechslung zum Unterrichten kommt bisher aber auch nicht zu kurz. So haben wir in den ersten Wochen auch vor allen Dingen eines miterlebt: Feiern auf Laotisch. Ob Einweihung des neuen Tempel-Tores, Reisfeste in Tad Lo und Umgebung oder auch das Wat Phou Festival. Feiern können die Laoten – und zwar total unkompliziert. Anlässe gibt es scheinbar genügend und benötigt wird nicht viel: Eine Bühne, eine Band, Tische, Stühle, Bier Lao, Eiswürfel und Plastikbecher und los geht’s. Wer ankommt bezahlt erst einmal ca. 50 Cents für einen Stuhl, der am Eingang mitzunehmen ist. Da man in der Regel aber nie alleine auf so ein Festival geht, braucht man natürlich auch eine Kiste Bier, sowie 2-3 Becher und eine Plastiktüte mit Eiswürfeln. Der Tisch wird aufgestellt, Bier Lao Kiste unter den Tisch, Stühle drum herum und ab dann wird alles geteilt: Bier, Becher, Eis.

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Eis? Ja richtig, es tut unserem Herz ein wenig weh, das gute Bier mit Eiswürfeln zu verdünnen – aber bei solchen Festen gibt es keine andere Möglichkeit, um das Bier zu kühlen – und da man ohnehin von Zeit zu Zeit auch noch Trinkspiele überstehen muss, die nicht selten, das exen des Bechers zum Ziel haben, ist es vielleicht besser, wenn das Getränk nicht ganz pur getrunken werden muss.

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Unterbrochen wird das gesellige Beisammensein nur durch Tanzeinlagen. Wenn die Band wieder ein schnelles bevorzugt thailändisches Lied spielt, stürmen nämlich alle zur Tanzfläche, es wir gemeinsam getanzt – ist das gute Lied vorbei stürmen wieder alle zurück zum Tisch und es wird mit dem nächsten Bier und „Sok Dee“ angestossen.

Die Beschreibung unseres laotischen Dorfes vom Anfang müssen wir also ein wenig erweitern: 2 Wasserfälle gibt es – aber dass sie damit auch das Schwimmbad des Dorfes bilden, sowie Badeplatz der Elefanten sind, haben uns unsere Schüler gezeigt. Die 2 Straßen sind bereits nach wenigen Tagen für uns mit Gesichtern und Begegnungen geschmückt und dass ein Tempel auch gleichzeitig ein Festivalgelände sein kann, wissen wir nun auch. Je länger wir hier sind, desto sympathischer werden uns die Bewohner von Tad Lo und Umgebung, wir fühlen uns langsam wie Zuhause – vielleicht trägt auch ein bisschen das Beer Lao dazu bei, denn es wird mit Deutschem Hopfen & Hefe gebraut 🙂

 

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Tad Lo ist unsere Heimat für die nächsten 3 Monate: Zwei Wasserfälle, zwei Straßen, ein Tempel, einige Gästehäuser, ein paar…

2 Comments

  1. Das sieht mal richtig nach Spaß aus!!! Sind die Laoten einfach so drauf oder wird ausser dem Bier vielleicht auch noch was anderes eingenommen 😉 Der Film ist GENIAL! toll!

  2. Hey ihr zwei,
    ja man sollte glauben, da sei noch was anderes im Spiel – ist es aber nicht 🙂 Wir lernen die Laoten hier als ein sehr fröhliches Volk kennen. Alles wird hier von einem Lächeln begleitet, das ist wirklich ansteckend! Wir senden euch ganz liebe Grüsse und freuen uns langsam auf Zuhause und natürlich auf ein Wiedersehen mit euch zwei!!!

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