Ein Tag am Fluss

Seset – eine Schule, ein Berg, ein Fluss – alle drei tragen diesen Namen. Man könnte meinen die Laoten wären nicht sehr einfallsreich, oder aber die mehrfache Verwendung dieses Namens zeigt auch einfach, wie wichtig ihnen “Seset” ist. In unseren Monaten in Tad Lo konnten wir beobachten, wie wichtig vor allem der Fluss für dieses Dorf ist. Er ist nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch Nahrungsquelle, Spielplatz, Waschplatz und Touristenattraktion. Je nach Tageszeit und auch Jahreszeit spielt dieser Dreh- und Angelpunkt der Bevölkerung von Tad Lo ganz unterschiedliche Rollen.

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Morgens: In aller Frühe sieht man viele Dorfbewohner mit Plastikkörbchen am Arm und Handtuch über der Schulter zum Fluss pilgern. Zähne putzen, Haare waschen und eventuell auch noch baden steht auf dem Programm. Nicht alle Häuser in Tad Lo haben einen eigenen Anschluss an fließendes Wasser – und selbst die die ihn haben, duschen mit dem selben Wasser. Es kommt über lange blaue Plastikrohre direkt aus dem Fluss zum Haus. Und damit es interessant bleibt, hat jedes Haus sein eigenes Rohr vom Fluss – wenn das Wasser dann mal wieder ausbleibt, beginnt die oft langatmige Suche nach der verstopften Stelle – ganz zu schweigen von dem Rohre-Wirrwarr zwischen Dorf und Fluss. Wer weiss da schon wohin welches Rohr führt und wo überhaupt die Verstopfung sitzt? Es scheint ein System dahinter zu geben, zumindest waren wir bisher nie länger als 1-2 Tage ohne fließendes Flusswasser in unserem Bad.

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Der Vormittag wird von den Kindern und Jugendlichen oft auch genutzt um zu fischen. Wer jetzt glaubt, die Laoten hängen einfach eine Angelroute in den Fluss, der wird hier schnell eines besseren belehrt. Fischen ist mit Sicherheit eine der anstrengendsten Jagdmethoden und erfordert vor allen Dingen Erfahrungen, Geschick und einen langen Atem. Mit Taucherbrille und Harpune bewaffnet gilt es zunächst die Fische ausfindig zu machen, um sie dann mit einem gezielten Stoss aufzuspießen. Am besten funktioniert das, wie so vieles in Laos, im Team. Drei bis vier Freunde arbeiten meist zusammen, haben ihre Strategie und kehren nach einer Stunde meist mit einigen Fischen wieder zurück.

Mittags: Vor allem an den Wochenenden wird der Fluss um diese Zeit zum idealen Picknick-Ort. Familien treffen sich hier, die Kinder spielen im Wasser und die Eltern sitzen auf einer Decke im Schatten und geniessen ein kühles Bier Lao. Wenn wir an Feiertagen oder Wochenenden dazu stoßen, können wir uns auf eines ganz sicher verlassen: Irgendjemand lädt uns immer auf ein Bier ein. Oftmals sind es Ortsfremde, die vielleicht noch gerne ein Bild mit uns machen möchten (unsere Größe und Optik macht uns für die Laoten irgendwie interessant) und sich dann mit einem Bier revanchieren. Generell wird hier kein Grund ausgelassen um zu feiern – so wurden wir bei einem Flussbesuch an einem Samstag von hunderten partyfreudiger Laoten überrascht, die sich alle am und im Fluss tummelten. Der Grund: Weltfrauentag, das muss natürlich gefeiert werden 🙂

Spätnachmittags: Vor allem ab März können wir nun beobachten, wie Kinder und Frauen mit leeren eisernen Gießkannen zum Fluss ziehen und wenig später mit leerer Gießkanne wieder zurückkommen. Was machen die da nur? Nach ein paar Tagen sind wir dem Mysterium mal auf den Grund gegangen und haben erstaunt festgestellt, dass jetzt viele kleine Gärten entlang des Flusses angelegt wurden. Vor allem Gemüse wird nun angepflanzt und Vieles wird hier nun erstmal grossgezogen und später, wenn die Regenzeit richtig da ist, dann auf ein größeres Feld umgepflanzt. Ein sehr cleveres System bei dem niemand schwere Gießkannen über lange Strecken schleppen muss, bis Mutter Natur das Gießen dann endlich selbst übernehmen kann.

Abends: Wieder sehen wir die Dorfbewohner mit dem Plastikkörbchen Richtung Fluss laufen. Aber um diese Zeit werden sie auch von 3 großen grauen Riesen begleitet. Es ist Badezeit für die Elefanten, die damit in ihren wohlverdienten Feierabend gehen. Dabei zuzusehen wie diese freundlichen Dickhäuter das Wasser geniessen ist auch für uns immer noch ein großes Vergnügen, begleiten uns diese Tiere doch bereits seit Nepal und verlieren kein bisschen von ihrer Faszination.

Nala Fandee – Gute Nacht heisst es dann nach Einbruch der Dunkelheit. Ein Tag in Laos beginnt früh und endet dementsprechend auch früh. Spätestens um 10 ist Ruhe im Dorf und, so glauben wir zumindest, auch Ruhe am Fluss – aber wer weiss, vielleicht sollten wir auch eines Nachts mal dort vorbeischauen 🙂

 

Seset – eine Schule, ein Berg, ein Fluss – alle drei tragen diesen Namen. Man könnte meinen die Laoten wären…

2 Comments

  1. Man hat Lust mit zuschwimmen!! Wie immer ein toller Bericht-der Abschied fällt Euch sicher schwer!
    Wir zählen die Wochen……
    Liebe Grüße aus der Heimat
    Erika

  2. Herrlich zu lesen, es macht wie immer richtig Spaß.
    Genießt die Zeit noch…
    Liebe Grüße
    Christina

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