Sabaydee Laos!

Sam, Soong, Nüng (3, 2, 1) schallt es aus unseren Headsets als wir uns anhören, wie die Sprache des Landes klingt, das wir in wenigen Minuten erreichen. Ein Versuch, schon ein paar wichtige Worte zu lernen, bevor wir die Grenze von Thailand nach Laos überqueren. Es ist gar nicht so einfach: Laotisch beinhaltet unter anderem auch noch Tonalitäten auf die wir achten müssen und die Sprache klingt irgendwie sehr musikalisch in unseren Ohren.

Nüng, Soong, Sam und los geht’s! Unser erstes herzliches Sabaydee (Hallo) bekommen wir in Pakse zu hören. Eine gemütliche Stadt im Süden von Laos, die uns gleich vor allem eines lehrt: Laotische Gelassenheit. Verkehrsregeln? Gibt es nicht, oder unterscheiden sich von Kreuzung zu Kreuzung. Aber trotzdem funktioniert es: Gemütlich, ohne viel Hupen, mit Rücksicht aufeinander und oftmals unterbrochen durch neue Verkehrsteilnehmer wie Katzen, Hunde, Kühe … und viele, viele Roller. Ampel rot – fahren; Ampel grün – stehen,… oder auch mal umgekehrt? Wir sollen uns keine Sorgen machen, denn werden wir bei einem “Regelbruch” von der Polizei erwischt, so seien maximal 20.000 KIP fällig. Das sind weniger als 2 Euro.

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Der laotische KIP, die Währung hier, wird uns gleich positiv in Erinnerung bleiben, macht sie uns doch innerhalb von Minuten gleich zu Millionären – so einfach geht das hier 🙂 Ob unsere mühsam erlernten laotischen Zahlen von 1 bis 10 uns bei einem Wechselkurs von 1 : 11.000 überhaupt weiterhelfen werden? Ein Glück durchschauen wir recht schnell, dass das laotische Zahlensystem sehr regelmäßig aufgebaut ist und wir mit unseren spärlichen Kenntnissen schon fast alle Zahlen ausdrücken können, das ist doch mal sympathisch.

Alle fahren hier Roller oder Motorrad, egal ob 10-jährige oder 60-jährige, jeder scheint diese Teile fahren zu können. Und transportieren kann man damit ohnehin fast alles was man so braucht: Die ganze Familie und den täglichen Einkauf – alles kein Problem. Daher ist das Motorrad auch unser bevorzugtes Fortbewegungsmittel beim Erledigen unserer Vorbereitungen: Einkauf der alltäglichen Utensilien, laotische SIM Karte, Marktbesuch und ein wenig die Umgebung erkunden. Schon zwei Tage später wollen wir uns aufmachen in die Provinz Salavan, genauer gesagt nach Tad Lo, um unser 2. Projekt in Angriff zu nehmen.

Tad Lo, das Dorf in dem wir die nächsten Monate verbringen werden hat seinen Namen von einemWasserfall ganz in der Nähe. Die etwas erhöhte Lage auf dem für Kaffeeanbau berühmten Bolaven-Plateau macht es gemeinsam mit den Wasserfällen der Umgebung nicht nur für uns zu einem echt tollen Ort – auch viele Touristen zieht es hier mit ihren Rollern hin. Neben dem Tourismus, lebt das Dorf vor allem von Landwirtschaft und dem Jagen, Sammeln und Verkaufen was die Natur hergibt.

Wir wohnen sehr zentral, mitten im Dorfgeschehen. Im Vergleich zu unserer Unterkunft in Nepal ein richtiges “Upgrade”: Ein grosses Bett mit dicker Matratze und nebenan ein Bad mit Western-Style-Toilette und: Warme Dusche! Wir sind mehr als begeistert. Dass wir vor allem die warme Dusche schnell lieben lernen, finden wir gleich in den ersten Tagen heraus.Eine untypische Kälteperiode zwingt uns in unserem nur luftig durch Strohgeflechte umgebenen Zimmer dazu, nachts in langen Hosen, Fleece-Pulli, Schal und sogar Oma’s Wollsocken zu schlafen! Ein Glück stellt sich nach 10 Tagen wieder der Sommer ein.

Unsere ersten Tage vergehen wie im Flug. Täglich von morgens bis abends sind wir in unserem Klassenzimmer und bereiten den Schulstart vor. Was heisst das? Ersteinmal Abstauben, Fegen, Gekkos verjagen, Termiten töten, schauen was noch funktioniert, wenn es nicht funktioniert warum,…. bei mehr als 25 Computern aus den Baujahren 1999 bis 2010 ein recht aufwendiger Prozess, da jeder PC/Laptop irgendwie seine eigene Geschichte und seine speziellen Probleme zeigt. Zuletzt finden wir sogar heraus, dass einige PCs einfach nur gerne mal wieder ein bisschen Aufmerksamkeit wollen um wieder anzuspringen: Aufgeschraubt, angefasst, Kabel raus, Kabel rein, zugeschraubt – läuft!

Zwischendurch haben wir zur Abwechslung auch ein paar offizielle Termine: Eine Vorstellung beim stellvertretenden Schulleiter der weiterführenden Schule und sogar ein Kurzbesuch beim Bürgermeister organisiert unser Projektpartner Soulideth. Da steht unserer Eingliederung in die Gemeinde wirklich nichts mehr im Weg. Und es finden sich prompt auch potentielle neue Aufgabenfelder für uns: Wir könnten ja vielleicht auch im Sportunterricht unterstützen schlägt der Lehrer vor und auch der Bürgermeister sieht noch Verbesserungspotential bei den Computerkenntnissen seiner Rathausmitarbeiter,…

Unser Fokus liegt zunächst aber auf der Computerschule: Mangels Freiwilligen hatte im Tadlo Computer Education Center (TCEC) im letzten Jahr leider kein Unterricht stattfinden können. Das soll sich nun in wenigen Tagen ändern – je mehr es sich rumspricht, desto häufiger stehen auch schon die ersten interessierten Schüler im Raum. Mund-zu-Mund verbreitet sich die Neuigkeit und damit es auch wirklich alle mitbekommen, nutzen wir auch noch die Tadlo-Marketing-Maschinerie: Ein Megafon verkündet hier nämlich täglich alles Wichtige – so auch unseren Schulstart.

Ab 3. Februar geht es dann wirklich los. Über 40 Anfaenger und um die 30 Fortgeschrittene haben sich angemeldet. Von Montag bis Samstag geben wir nun nach der „normalen“ Schule abwechselnd den Anfängern und Fortgeschrittenen je 3mal wöchentlich 2 Stunden Unterricht. „Sabaydee teacher“ erklingt nun täglich lautstark im Chor, bevor wir mit dem Unterricht beginnen. Wie gut, dass wir bei diesen Schülerzahlen nicht ganz alleine im Klassenzimmer sind. Soulideth, unser Projektpartner und Chom, den wir zum Tutor ausbilden helfen nicht nur beim Übersetzen, sondern unterstützen auch so den Unterricht durch laotische Beispiele und mit jeder Menge Humor. „Thank you teacher, see you on Tuesday“ heisst es am Ende der Stunde, alle schwingen sich auf ihre Roller und dann ist unsere erste Unterrichtsstunde auch schon vorbei.

Sam, Soong, Nüng (3, 2, 1) schallt es aus unseren Headsets als wir uns anhören, wie die Sprache des Landes klingt,…

Comments

  1. Wie freuen wir uns mit Euch, dass alles so gut läuft! Wieder super geschrieben, wir mussten einige Male laut auflachen!Nur noch 4 Monate und wir haben Euch wieder…..

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